Permalink

0

Das 4. Internationale Bonner Tanzsolo-Festival läuft

Ein kurzer Bericht über den Ausflug der Brotfabrik-Delegation von Beuel nach Endenich ins Theater im Ballsall zur Eröffnung des Festivals

Ausverkauft! – Das konnten die Veranstalter am Freitag über die Eröffnungsveranstaltung des 4. Internationalen Bonner Tanzsolo-Festivals, das gemeinsam vom Theater im Ballsaal und der Brotfabrik Bühne ausgerichtet wird, vermelden. Entsprechend gefüllt war das gemütliche kleine Foyer des Theaters im Ballsaal, was schon vor Beginn der Veranstaltung tolle Festivalstimmung aufkommen ließ. Das Publikum war gut gemischt zwischen tanzinteressierten Bonnern und Vertretern der Tanzszene der Region und darüber hinaus.

Das erste Stück des Abends, die Premiere von „Mannish Man“ der gastgebenden Kompanie Cocoondance, hatte genau das zum Thema, was auch das gesamte diesjährige Festival bestimmt: die Männer (bei allen Soli des Festivals steht ein Mann auf der Bühne). Zwischen Narzissmus, Selbstdarstellung und Nachdenklichkeit macht der Protagonist sich auf die Suche nach seiner – männlichen – Identität. Die Choreografie von Rafaële Giovanola zeigte eindrücklich, dass ein Solo keineswegs eine Notlösung für finanziell suboptimal ausgestattete Kompanien der Freien Szene ist, sondern eine eigenständige Kunstform, die eine starke Wirkung auf das Publikum haben kann. Dieses honorierte die Premierenaufführung dann auch mit begeistertem Applaus.

Bei einem Eröffnungs-Prosecco in der Pause wurde das neue Stück direkt hitzig diskutiert, denn Tanz, besonders Solostücke rufen bei unterschiedlichen Zuschauern oft ganz unterschiedliche Assoziationen hervor. Es war sehr interessant zu hören, was und vor allen Dingen auch wie stark und direkt die Auseinandersetzung des Protagonisten auf der Bühne mit sich selbst an Auseinandersetzung des Publikums mit sich selbst angestoßen hat.

Das zweite Stück des Abends, eine Gastperformance mit Juan Luis Matilla aus dem spanischen Sevilla, war ein echtes Kontrastprogramm zu „Mannish Man“. Zwar ging es auch um Befindlichkeiten und persönliche Geschichten, die Umsetzung war jedoch total anders. Matilla nimmt in „Sad Dance Therapy“ Ansätze von Tanztherapie aufs Korn und präsentiert dem Publikum einen wilden Ritt zwischen Gesang, Live-Elektromusik und Tanz, voller Klamauk und skurrilem Entertainment.

Nach dem zweiten Stück stand ein leckeres mediterranes Antipasti-Buffet bereit. Bei Häppchen, einem Glas Wein und kurzweiligen Gesprächen klang der Eröffnungsabend aus und mit dem letzten Bus machte die Brotfabrik-Delegation sich dann wieder auf den Weg nach Beuel.

Das Festival läuft noch bis zum 02. Februar.

Das Programm bei uns:

26.01., 21 Uhr “Superflux” – Jean-Marc Heim
01.02.. 20 Uhr “Portrait of a Dancer” – Lutz Förster
02.02., 21 Uhr ” Fool’s Figures” – Jaro Spring Vinarsky (im Anschluss Festival-Abschlussparty)

Gesamtprogramm

Permalink

0

4. Internationales Bonner Tanzsolofestival

Vom 18. Januar bis zum 2. Februar 2013 findet auf der Bühne in der Brotfabrik und im Theater im Ballsaal das 4. Internationale Bonner Tanzsolo Festival statt.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

 



Tanzabende bei uns im Haus:

Jean-Marc Heim “Superflux” am 26.1. um 21.00 Uhr

Lutz Förster “Portrait of a Dancer” am 1.2. um 20.00 Uhr

Jaro Spring Viňarský “Fool’s Figures” am 2.2. um 21.00 Uhr

(mb)

Permalink

0

Frohes Neues!

Ein Ausblick auf die zweite Hälfte der Spielzeit 2012/13

Weltuntergang, Weihnachten und Silvester haben wir – und ihr hoffentlich auch – gut überstanden, also kann ein Ausblick auf die kommenden Monate gewagt werden. Bis zur Sommerpause haben wir uns noch einiges vorgenommen. Es stehen diverse Festivals und Premieren auf dem Programm.

Die erste Premiere des neuen Jahres ist schon nächste Woche: die BUSC zeigt ab dem 16. Januar ihre Winterproduktion „Measure for Measure“ und verlegt dabei den Shakespeare-Klassiker in den Wilden Westen. Sheriffs, Halunken und Cowboys bestimmen die Szenerie.

 

 

 

Ende Januar richtet das Theater im Ballsaal zum vierten Mal das Internationale Bonner Tanzsolo Festival aus und wir sind in diesem Jahr wieder als Partner und zweiter Spielort dabei. Jean-Marc Heim aus der Schweiz, Lutz Förster, der langjährige Wegbegleiter Pina Bauschs und Ensemblemitglied im Tanztheater Wuppertal und Jaro Spring Vinarsky aus der Slowakei zeigen ganz unterschiedliche Stücke. Sie präsentieren damit, wie vielfältig und spannend Soloabende im zeitgenössischen Tanz sein können.

Am 13. März bringt der Bonner Regisseur Volker Maria Engel einen Klassiker der dystopischen Literatur zur Premiere: Fahrenheit 451. 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Buches hat die heutige Realität die damals geschilderte düstere Zukunft längst überholt. Um so neugieriger können wir auf die Umsetzung des Stoffes sein. Die Produktion entsteht in Kooperation zwischen der Brotfabrik, dem Theater Bonn und dem Ensemble Volkstheater.

Ebenfalls im März, am 21.03., hat das neue Tanztheaterstück von Karel Vanek Premiere. Der Titel „Tanzhuren“ verrät schon einiges vom Inhalt. Das international besetzte Ensemble mit Tänzerinnen aus Deutschland, Malaysia und Tschechien stellt sich die Frage: „Was sind wir alle bereit für Geld zu tun?“ und berichtet aus seinen individuellen Erfahrungen von Lebens- und Überlebensstrategien als professionelle Künstlerinnen.

Tänzerisch geht es weiter mit tanznrw13. Das biennal ausgerichtete Festival zeigt vom 27. April bis 7. Mai aktuelle Strömungen im zeitgenössischen Tanz in NRW und findet neben Bonn in sieben weiteren Städten statt. In Bonn werden die Kammerspiele, das Theater im Ballsaal und die Brotfabrik Stücke im Rahmen des Festivals zeigen. Das Gesamtprogramm ist ab Februar online.

Nach so viel Tanz wird es im Mai musikalisch. Das Jazzfest findet zum vierten Mal in Bonn statt und macht am 5. Mai in der Brotfabrik Station. In einem Doppelprogramm sind Gunnar Plümer und Matthias Nadolny sowie die Expressway Sketches bei uns zu Gast.

Nach dem Jazzfest können wir dann noch mal kurz durchatmen bevor es mit dem größten Projekt der Spielzeit los geht: „Westwind – 29. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW“ findet vom 16. – 22. Juni in der Brotfabrik statt. Einmal im Jahr treffen sich die Kinder- und Jugendtheater aus NRW zum Austausch und um ihre neuen Stücke zu präsentieren. 41 Bühnen haben sich in diesem Jahr beworben, eine Fachjury wird die besten Stücke auswählen, die dann im Rahmen des Festivals dem breiten Publikum präsentiert werden. Zusätzlich werden einige internationale Gastspiele eingeladen und für das Fachpublikum wird es Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops geben.

Außerdem stehen bis zum Sommer noch an: Premieren des Neuen Ensemble Bonn, unserer Oldies vom Theater UHU (unter hundert), der spanischsprachigen Theatergruppe La ClinicA und der Sommerproduktion der BUSC. Und dann gibt es wieder die Aktion „Kunst ohne Strom – aber draußen im Grünen“ und die wird dieses Jahr noch größer und schöner und länger als im letzten Jahr, mehr dazu demnächst an dieser Stelle…

Permalink

0

Unsere Online-Familie wächst und gedeiht…

…und ein altes, lange vermisstes Mitglied kommt zurück:

Ab Januar wird es wieder einen Newsletter geben. Neben unserer alten Website war der Newsletter lange Jahre eine kontinuierliche Informationsquelle für viele Abonnenten. Im Zuge des Neubaus unserer Website mussten wir den alten Newsletter zunächst abschalten, aber jetzt sind alle Features und auch alle bisherigen Abonnenten auf das neue System umgezogen und der Newsletter wird nun neben der neuen Website selbst, unserem Facebook-Profil, dem Twitter-Account und unserem neuen Blog wieder aktuell über unser Programm informieren. Interessierte können den Newsletter ab sofort abonnieren, die erste Versendung ist dann Anfang des neuen Jahres.

Bis dahin wünscht das Team der Brotfabrik Bühne ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Permalink

0

Der Spielplan Januar / Februar ist fertig

Sooo, geschafft! Der Spielplan für Januar und Februar 2013 ist fertig und die Daten sind in der Druckerei.

Hier ist schon mal die digitale Version zum Blättern. Das Programm ist dieses Mal so umfangreich, dass wir 12 statt der gewohnten 8 Seiten gefüllt haben. Ein Schwerpunkt ist die Musik, über unsere Weltreise habe ich ja schon berichtet, ein weiterer ist das 4. Bonner Tanzsolofestival in der Brotfabrik und im Theater im Ballsaal.
Auf unserer Website finden Sie das gesamte Januar / Februar – Programm und die Möglichkeit, Karten zu reservieren.
Permalink

1

Wir gehen auf eine musikalische Weltreise – Ausblick auf unseren Programmschwerpunkt zum Jahresanfang

Mit Musik kommt man gut durch den Winter – diese Tatsache ist dem Rheinländer nicht neu. Wir haben daher auch in unserem Januar / Februar-Programm einen Schwerpunkt auf diese Sparte gelegt. Wir begeben uns auf eine musikalische Weltreise.

Unsere erste Station ist Uruguay. Das Tango-Duo Got@n.uy entführt uns an den Rio de la Plata. In den Städten am Delta des Rio de la Plata, in Montevideo in Uruguay und in Buenos Aires auf der argentinischen Seite, liegt die Wiege des Tango. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in den Barrios und Hafenvierteln der Tanz, der inzwischen die Welt erobert hat. Einwanderer vieler Völker und Kulturen kamen in dieser Zeit nach Südamerika, um ihr Glück zu suchen. Tänze und Musik aus Europa, Afrika und Südamerika mischten sich und brachten eine Musik, einen Tanz hervor, die mit jedem Ton von den existenziellen Themen dieser Menschen erzählt: soziale Not, Einsamkeit und Liebeskummer.

 
Von Südamerika geht es weiter – fast – auf das Dach der Welt, nach Afghanistan. Mit seinem Programm „Himalaya Crossings“ stellt Daud Khan eine Musiktradition vor, die noch viel, viel älter ist als der Tango. Daud Khan stammt aus Kabul in Afghanistan und lebt seit über 30 Jahren in Deutschland. Er spielt die Robab, eine Langhalslaute mit zweitausend Jahre alter Geschichte. Die alte Form der Robab gilt als Urform der heutigen Lauten und Streichinstrumente. Während der Herrschaft der Taliban war die traditionelle Musik verboten und auch jetzt ist es schwierig, im Land selbst die Volksmusik Afghanistans wieder zu beleben und zu pflegen. Um so wichtiger ist, dass die wenigen im Exil lebenden Musiker das kulturelle Erbe erhalten.

 

Nach so viel Traditionen zu Beginn wird es an der dritten Station unserer Reise etwas experimenteller. Unsere Weltreise macht Halt bei Yggdrasil auf den Färöer-Inseln. Yggdrasil lässt sich in keine Schublade stecken. Der musikalische Background der Bandmitglieder war und ist sehr vielschichtig, er reicht von Jazz über ethnische Musik, Folk, Rock bis hin zu Klassik. Das schlägt sich auch im Repertoire nieder. Es umfasst ein breites Spektrum zwischen Freejazz und Klassik. Viele Kompositionen entstehen im Austausch mit anderen Kunstsparten, wie Bildender Kunst, Lyrik oder Tanz. Entsprechend sind auch die Konzerte von Yggdrasil ein musikalisch-performatives Gesamtkunstwerk.

 

Samy und Bosco aus Madagaskar setzen sich dann wieder mehr mit der Musikgeschichte ihrer Heimat auseinander. Samy reiste in die verschiedenen Gebiete der Insel und lernte von den lokalen Musikern die jeweils regionalen Stile. Samy schaffte sich seinen eigenen Musikkosmos, dazu gehört auch, dass er fast alle seiner Instrumente selbst baut. Der Multiinstrumentalist spielt Flöten, Laute, Zithern, Musikbogen und Percussion. Begleitet wird Samy von dem Sänger Rakotonirina Jean, genannt Bosco.

Die Reiseroute:

09. Januar: Uruguay
11. Januar: Afghanistan
22. Januar: Färöer-Inseln
23. Februar: Madagaskar

Programmübersicht

Permalink

0

Theatercamp Hamburg – ein kurzer Rückblick

Wie die Zeit vergeht, nun liegt das Theatercamp doch schon zwei Wochen zurück…

Am 11. November war ich in Hamburg im Thalia Theater um dort für die Brotfabrik das von Timeline e. V. initiierte erste Deutsche Theatercamp zu besuchen. Die Grundidee war, Theatermacher und Theaterinteressierte, die sich für Themen wie Soziale Netzwerke und Social Media Marketing interessieren, zusammenzubringen.

Als Ort war das Thalia Theater, konkret der Spielort an der Gaußstraße, super gewählt. Die Räumlichkeiten waren für die etwas über 130 Teilnehmer genau passend, alles war bestens organisiert und das Helferteam war klasse. Theaterleute aus ganz Deutschland waren angereist um sich über das Thema Social Media zu informieren, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und mit Kollegen zu vernetzen.

Anders als in anderen Kultursparten, allen voran die Museen, ist der Einsatz von sozialen Medien in Theatern noch nicht sehr stark ausgeprägt. Entsprechend war die Neugier – und zum Teil auch die Skepsis – groß. Die Veranstaltungsstruktur war dadurch auch eher ein Barcamp „light“ und hatte noch viele Elemente einer klassischen Konferenz. Das vielfältige Programm stand überwiegend schon im Vorfeld fest: Sessions zu Plattformen und Tools, Best Practice Beispiele, wie die herausragende Netzpräsenz des Theater Heilbronn, Sessions mit Einsteigerthemen, Juristisches und Beispiele zum Einsatz von Social Media in künstlerischen Prozessen standen zur Auswahl.

Eröffnung - das Programm wird vorgestellt

Ich habe u. a. an Sessions zu Strategieentwicklung und Communitybuilding teilgenommen und das Konzept der TweetUps kennen gelernt. Das TweetUp ist ein neues Veranstaltungsformat, was schon erfolgreich im Rahmen mehrerer Ausstellungen zum Einsatz kam.

Die interessanteste Session für mich war natürlich die, an der ich selbst beteiligt war. Im Vorfeld des Theatercamps hatten die Organisatoren Karin Janner und Hagen Kohn eine Crowdcoaching-Session ausgeschrieben. Die Idee war, einem Haus, was in Sachen Social Media noch am Anfang steht, eine Kurzberatung anzubieten. Dieses sollte aber nicht nur durch die Experten auf dem Podium geschehen, sondern auch das Plenum sollte aus seinem Wissen und seinen Erfahrungen heraus beratend aktiv werden. Für diese Session konnte man sich mit seinem Theater bewerben, ich habe das für die Brotfabrik getan und – Yay, gewonnen!

Es war ganz schön aufregend, als (Fast-)Newbee mit den beiden Experten auf dem Podium zu sitzen. Zu Beginn der Session wurde ich zur Brotfabrik allgemein, zu unseren Zielen, dem Budget für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und unserer personellen Ausstattung befragt. Anhand der formulierten Ziele gaben Karin Janner und Hagen Kohn mir wertvolle Expertentipps besonders zur Themenfindung für unser Blog, zur Vernetzung unserer Onlinekativitäten untereinander und zum Communityaufbau. Aus der Crowd, der Zuhörerschaft, kamen einige gute Anregungen, praktische Tipps und Feedback zu unserer Arbeit.

Ich habe in Hamburg viele neue Ideen für die Arbeit bekommen, nette Leute kennen gelernt, einige bisher nur aus dem Netz Bekannte mal live gesehen und alte Bekannte wiedergetroffen. Und ich bin natürlich mit einer langen To-Do-Liste im Gepäck zurückgekommen: neue Ideen umsetzen, mehr Vernetzung und Austausch mit Influencern, Theaterleuten und unseren Gästen realisieren und natürlich möchte ich unsere Präsenz im Netz noch viel bekannter machen.

Also, auf geht´s!!

Permalink

3

„Schlüsselerlebnisse mit dem Social Web“

Mein Beitrag zur Theatercamp – Blogparade

Am kommenden Wochenende werde ich für die Brotfabrik Bühne nach Hamburg reisen und dort im Thalia Theater am Theatercamp teilnehmen.

Theatercamp – was ist denn das?

Ein Theatercamp ist kein Zeltlager für Theatermacher, es handelt sich vielmehr um eine (Un-)Konferenz, ein Barcamp. Ein Barcamp ist eine besondere Form von Konferenz mit einem ganz offenen Konzept. Das grobe Thema legen die Initiatoren fest, das Programm entsteht jedoch spontan. Aus dem Kreis der Teilnehmer werden im Vorfeld oder zu Beginn der Konferenz Vorschläge zu Sessions gemacht, das Plenum stimmt darüber ab und die Sessions mit den meisten Stimmen, dem größten Interesse, werden dann gehalten. Die Sessions können ganz unterschiedlich ablaufen, man diskutiert, es gibt unterschiedlichste Aktivitäten, man kann sich vielfältig beteiligen. Das hat ganz schön viel von Soziokultur ;-) Das Theatercamp am 11. November im Hamburger Thalia Theater ist das erste Barcamp in Deutschland, was sich speziell mit dem Thema Theater beschäftigt.

Im Vorfeld des Theatercamps haben die Initiatoren auf ihrem Blog dazu aufgerufen, über Schlüsselerlebnisse mit dem Social Web zu berichten. Blogger, die sich an der Blogparade beteiligen möchten, schreiben auf ihren Blogs Beiträge zu der gestellten Frage und verlinken ihn auf das Blog des Fragestellers. Ich hatte auf meinem Weg und somit auch dem Weg der Brotfabrik ins Social Web zwei konkrete Schlüsselerlebnisse, von denen ich hier berichten möchte. Für mich selbst ist das auch Neuland, dies ist mein erster Beitrag zu einer Blogparade. Also, los geht´s…

Schlüsselerlebnis 1 – die stARTconference

Es begann vor vier Jahren. Ich wollte mich etwas weiterzubilden und auf einen aktuellen Stand in Sachen „Netz“ bringen. Begriffe, wie „Myspace“, „Facebook“ oder „Blog“ hatte ich schon öfter gehört und die Idee reifte, diese für die Vermarktung unserer Jugendtheaterstücke nutzbar zu machen. Aber was ist das alles überhaupt und wie geht das? Per Zufall entdeckte ich in einer Branchenzeitschrift eine Anzeige der stARTconference, einer Konferenz, die genau das zum Thema machte: Web 2.0 – wie es damals hieß – und Kultur. 2009 fand die stARTconference erstmals in Duisburg statt und ich meldete mich an.

Mit wenig praktischer Erfahrung und geringen Erwartungen machte ich mich also auf an den Niederrhein – Eine Reise, die mein Leben verändert hat. Das ist keine Übertreibung, die zwei Tage in Duisburg waren wirklich eine Offenbarung und die Tür zu einer neuen Welt. Ich fühlte mich wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum, fasziniert und begeistert von der Atmosphäre, den Themen, den Besuchern und den „brennenden“ Machern der Konferenz Karin Janner, Frank Tentler, Christian Henner-Fehr und Christian Holst. Die stARTconference war mein erstes und definitiv wichtigstes Schlüsselerlebnis auf dem Weg ins Social Web.

Voller Euphorie und mit dem Entschluss „Das machen wir jetzt auch“ ging es zurück nach Bonn um dort auf ein „Das machen wir sicher nicht!“ von Chef und Kollegen zu stoßen. Fast zwei Jahre voller Diskussionen und Argumente sollte es noch dauern, bis im vergangenen Jahr mit dem OK für eine Facebook-Seite der erste kleine Schritt ins Social Web erfolgte, zwei Jahre, in denen ich privat zunächst zaghaft und dann immer begeisterter neue Plattformen und Tools ausprobierte und das Social Web für mich zu einer zweiten Heimat wurde.

Schlüsselerlebnis 2 – ein Telefonat

Um mein privat angesammeltes Wissen professionell zu untermauern und um eine gute Facebook-Seite für die Brotfabrik Bühne zu bauen, nahm ich Kontakt zu Annette Schwindt, Pr-Beraterin und Autorin von „Das Facebook-Buch“, auf. Während des Telefonats mit ihr hatte ich mein zweites Schlüsselerlebnis auf dem Weg ins Social Web. Annette Schwindt fragte mich nach unserer bestehenden Webpräsenz und öffnete unsere damals aktuelle Website.

Nach einer gefühlten Ewigkeit des Schweigens folgte der Ausruf „Was ist das denn?“ und mir war schlagartig klar: mal eben eine Facebook-Seite auf eine fünf Jahre alte, handgestrickte Website aufsatteln is nich – ich muss komplett neu denken, neu konzeptionieren, von einer neuen Website als Fundament ausgehend eine neue Kommunikationsstrategie entwickeln. Die interne Überzeugungsarbeit zu diesem großen Schritt war dann überraschend einfach. Das OK kam schnell und Anfang 2012 starteten wir mit der Planung und Programmierung der neuen Website, die seit Ende Oktober online ist.

Und jetzt?

Jetzt, wo es praktisch los geht – die neue Website ist da, das Blog sowie Präsenzen u. a. auf Facebook, Twitter, Instagram und Flickr sind eingerichtet – wird es richtig spannend:

  • Wie und ob überhaupt wird unser Publikum die neuen Angebote annehmen und mit uns in Dialog treten?
  • Lassen sich langfristig genug spannende Geschichten in einem kleinen Haus mit überwiegend Gastspielen finden?
  • Wie klappt das mit dem Zeitmanagement in einer Einpersonen-, Teilzeit-, Presse-, Öffentlichkeitsarbeit-, Social Web Management-, Marketing-, Orga-, Abteilung?

Ich freue mich, diese und viele andere Fragen und Themen mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Häusern zu diskutieren und werde selbstverständlich während und nach dem Theatercamp darüber berichten.

(Ulrike Dümpelmann)

Permalink

0

Die BUSC wird 20!

Im November 1992 von Studenten der Bonner Anglistik gegründet, ist die Bonn University Shakespeare Company mittlerweile eine feste Anlaufadresse für englisches Theater in Bonn. Es sind bei Weitem nicht nur derzeitige Englischstudenten, die hier auf der Bühne stehen, Regie führen und hinter der Bühne mitwirken. Mittlerweile zählt die BUSC Studenten und ehemalige Studenten verschiedenster Fachrichtungen und Altersgruppen zu ihren Mitgliedern.

Den Gründern kam es vor allem darauf an, Theaterpraxis und Studium zu verknüpfen, denn obwohl Theatergeschichte und Theaterwissenschaft damals wie heute essentielle Bestandteile des Anglistikstudiums sind, fehlt oftmals die praktische Anbindung. In der BUSC geht es daher neben dem Aufführen englischsprachiger Stücke auch um die Theorie hinter den Stücken und der Aufführung.

Wir setzen uns zudem für die „Anwerbung” von ausländischen Studenten ein, die beispielsweise mit dem Erasmus-Programm nach Bonn gekommen sind und oftmals nach Möglichkeiten suchen, ihre Deutsch- und Englischkenntnisse auch außerhalb der Vorlesungen an der Universität zu erweitern.

Doch sind es keineswegs nur die neueren Mitglieder, die die BUSC am Leben halten – auch viele der Mitglieder, die bereits in den 90er Jahren ihren Weg zur BUSC gefunden haben, sind nach wie vor ein unentbehrlicher Teil unserer Theatergruppe. Mittlerweile finden sich in unseren Reihen sogar ein paar Menschen, die ihre Leidenschaft für das Theater zum Beruf gemacht haben. Zum Stichwort Beruf: Die Kombination von Studium/Beruf und Theater ist nicht immer leicht zu vereinbaren, doch überraschenderweise beteiligen sich viele Berufstätige regelmäßig an den Produktionen oder sind darüber hinaus noch Teil des Vorstands, sodass es stets eine ausgewogene Mischung aus neuen und „älteren” aktiven Mitgliedern gibt.

Mitmachen kann bei der BUSC übrigens jeder – perfekte Englischkenntnisse, langjährige Bühnenerfahrung und sonstige Vorkenntnisse sind bei uns absolut keine Voraussetzung. Am Anfang jeder Produktion werden mehrere Vorsprechen angeboten, bei denen auch Nicht-Mitglieder immer herzlich Willkommen sind. Sind alle Rollen dann schließlich besetzt, gibt es aber immer noch genügend andere wichtige Aufgaben zu vergeben: Wir kümmern uns um alle Bereiche selbst – vom Bühnenbau, über die Kostüme bis hin zu Marketing und Soufflage. So gibt es schließlich auch abseits der Bühne für jeden etwas zu tun. Durch dieses Konzept hat sich die BUSC mittlerweile zu einer Gemeinschaft aus vielen verschiedenen Menschen mit verschiedensten Kenntnissen und Fähigkeiten entwickelt, die jedoch alle eines gemeinsam haben: die Leidenschaft für das Theater.

Wie erfolgreich diese Gemeinschaft ist, zeigt sich darin, dass wir in diesem November unser 20-jähriges Jubiläum feiern – und ein Ende ist weder in Sicht noch geplant. Die einzige Schwierigkeit, der wir uns ausgesetzt sehen, ist, dass es irgendwann keine Shakespeare-Stücke mehr gibt, die wir noch nicht inszeniert haben und auch nicht noch einmal neu inszenieren können. Aber selbst in diesem Fall gibt es ja immer noch genügend anderes potentielles Material für neue Produktionen, denn wie unser Namenspatron schon zu sagen pflegte: „All the world’s a stage.”

Gastautorin: Julia Pflüger

Permalink

0

2. Bonner Klezmertage

Nach dem Frühstück geht es weiter – Was am Sonntag noch passiert

Der Sonntag ist bei diesen Klezmertagen der Tag, der Gegensätze vereint – die Konzerte, die ihn umrahmen stehen im Zeichen des Frauen – morgens die Bonner Newcomerin, abends ein reines  – und ebenfalls neues – Frauentrio – in der Klezmermusik eine Rarität.

Dazwischen geht es um eine spezielle Tradition im Ostjudentum, den Chassidismus. Er ist nicht nur sehr alt, sondern auch sehr patriarchalisch. Der Chassidismus entstand im 17. Jahrhundert als Gegenbewegung zur gelehrten Religionslehre, die eigentlich nur Schriftgelehrten zugänglich war. Sein Gründer Baal Shem Tov wollte eine Religion fürs Volk, und eine, die sich nicht im Ergründen komplexer Regeln und Kommentare erschöpfte, sondern die in der Lage war, ihren Gott auch zu feiern. So wurde der Chassidismus eine populäre Religionsströmung im Ostjudentum, die Gottesdienst auch im Singen und Tanzen verstand und vollzug. Es gab und gibt bis heute im Chassidismus verschiedene Richtungen, die verschiedenen Rabbinern folgten und die eine unüberschaubare Zahl an wunderbaren Melodien hervorbrachten, die zum Teil auch ins Klezmerrepertoire übergingen. Sie bestechen gleichzeitig durch starke Innerlichkeit wie durch ihre Festlichkeit und Ausgelassenheit. Und sie sind leicht zu lernen – eine tolle Erfahrung für jeden.

Diese Melodien wird uns der Experte Markus Milian Müller aus Nürnberg nahebringen. Markus ist als Bassist, Sänger und Komponist wunderbarer jiddischer Lieder bekannt und gastierte in Bonn schon mit seiner Global Shtetl Band.

Die ebenfalls unzähligen Legenden, Märchen und Sagen aus dem Chassidischen Weisheits- und Witzschatz bringt der schon vom letzten Jahr bekannte Gidon Horowitz, einer von Deutschlands beliebtesten Erzählern auf die Bühne.

Hier kommt etwas direkt aus dem Herzen des Ostjudentums – etwas sehr altes und etwas aus einer Männerwelt, aus der die Frauen nahezu ausgeschlossen waren.

Aber wir leben ja im 21. Jahrhundert – wir lassen den Tag von Frauen umrahmen:

Zum Abschluss der 2. Bonner Klezmertage gibt es nicht weniger als eine Premiere. Das ist mehr als folgerichtig bei einem Festival, dessen Schwerpunkt neue Klänge in dieser Musik sind. Nachdem wir bislang ausgiebig bei den amerikanischen Kollegen gelauscht haben, gehen wir nun wieder über den Atlantik zurück nach Europa. Und noch etwas ist neu und außergewöhnlich – nicht nur war das Ostjudentum eine patriarchalische Gesellschaftsform, in dem Frauen sowohl eine Ausbildung als auch das Spielen eines Instrumentes verwehrt war.

Auch heute noch ist die Musik – wie bei nahezu allen Musikformen – ein vornehmlich männliche Domäne. Da tut ein reines Frauenprojekt gut.  Über ihr Programm kann man naturgemäß wenig sagen, da es ja in Bonn aus der Taufe gehoben wird. Aber die “drey shwesterl”, wie sie sich nennen, sind allesamt eine Reise wert.

Die Sängerin Svetlana Kundish ist gebürtige Ukrainerin, wuchs in Israel auf und wohnte lange in Wien, bevor sie jetzt Berlin als Wohnsitz wählte. Sie studierte klassischen Gesang und widemt sich nun seit Jahren dem jiddischen Gesang – mit wachsendem Erfolg – ihre unverwechselbare Stimme trifft pfeilgenau ins Herz, ihre charismatische Bühnenpräsenz begeistert, so dass sie in Berlin schon den ersten Preis beim Wettbewerb “Golden Hanukkia” erhielt.

Vanessa Vromans Weg ging von Australien über Holland nach Bonn; auch sie ist klassisch ausgebildete Violonistin, die durch Studien am Weltmusikdepartment in Rotterdam schon weit über den klassischen Tellerrand hinausblickte. Wie Svetlana ist sie ein shootingstar der Klezmerszene, die schon kurz nachdem sie mit der jiddischen Musik begann, von internationalen Bands eingeladen wurde. Ihr Spiel wird von den Kolleginnen und Kollegen als sehr authentisch und gefühlvoll bewundert und geschätzt, gelingt ihr doch das Kunststück ihr klassisches Können in den Sound der Klezmermusik einzubringen.

Daneben ist Sanne Möricke schon eine “alte Hasin” in der Szene – sie spielte mit allem, was Rang und Namen hat und ist als verlässliche und inspirierende Partnerin vom Duo bis zur großen Kappelle begehrt. Neben ihrem Akkordeonstudium ist sie auch noch ausgebildete Musikethnologin.

Allen dreien ist, das kann ich versichern, ihre Liebe und Leidenschaft für die ostjüdische Musik gemeinsam, so dass es nicht wundert, dass sie nun in diesem Projekt dessen unentdeckte weibliche Seite zu Klang bringen.

Geballte Spielfreude, Kompetenz und Virtuosität widmet sich dem Thema Frauen in der jiddischen Musik  – Kompositionen und Lieder von Frauen reihen sich an Eigenkompositionen und Vertonungen. Ein spannendes Projekt, eine Weltpremiere, an diesem Abend das neueste, das es zu hören gibt! Danach geht es für die Damen übrigends gleich zum rennomierten “Klezmore” nach Wien – was für ein Start!

Ein Gastbeitrag von Georg Brinkmann

Veranstaltungsübersicht