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Blogparade: Digital im Theatersaal

Über livekritik.de hat Karin Janner zu einer Blogparade aufgerufen. Eine Blogparade ist eine Sammlung von Artikeln zu einem bestimmten Thema. In dieser hier geht es um die Frage: Via Smartphone live aus einer Kulturveranstaltung berichten – gut oder schlecht?

Persönlich lebe ich schon seit einigen Jahren in und mit den sozialen Medien und empfinde das als große Bereicherung, als Erweiterung des Horizonts und als wichtigste Informationsquelle zu vielen Themen. Wenn ich aber mit meiner Begeisterung für Facebook, Blogs, Twitter und Co. bei uns in der Brotfabrik Kampagnen oder Events vorschlage, stoße ich immer noch bei einem Teil der Künstler und auch bei Teilen des Publikums auf Skepsis oder gar Ablehnung, und bin immer wieder überrascht, wie konservativ in dieser Beziehung doch viele Theatermenschen sind.

Andere Bereiche sind da schon weiter. In der Mode beispielsweise wurden die ersten Blogger vor Jahren auch noch misstrauisch beäugt, inzwischen sitzen sie bei den großen Schauen in der ersten Reihe, es gibt zahllose Events für Modeblogger, ihr Urteil hat in der Szene Gewicht und viele, die sich für Mode interessieren lesen heute lieber Blogs, als in der Vogue zu blättern.

In der Kultur im engeren Sinne zeigen die Museen durch Apps, QR-Codes, Veranstaltungen wie Tweetups etc. wie groß der Mehrwert durch den Einsatz von Social Media sein kann. Interessierte brauchen nur ihr Smartphone zu zücken und erhalten direkt Hintergrundinfos und ergänzendes Material zum gerade Gesehenen, haben umfassendes und aktuelles Material um sich auf einen Ausstellungsbesuch vorzubereiten oder können sich auch, falls ihnen der Besuch vor Ort nicht möglich ist, einen Endruck verschaffen, indem sie z, B. einem Tweetup folgen.

Zurück zum Theater und zur Ausgangsfrage: via Smartphone live aus dem Theater berichten? Meine Antwort ist ganz klar: Ja! Los! Machen!

Die Rahmenbedingungen, in denen wir meistens Theater schauen, im dunklen Raum schweigend nebeneinander sitzend, sind typisch für das 20. Jahrhundert. In früheren Zeiten war Theater anders und auch in Zukunft wird es anders sein. Theater ist ein gemeinschaftliches Erlebnis über das man sich austauschen möchte und wenn man sich direkt über Twitter mit anderen Zuschauern im Saal und am Stück interessierten Menschen die gerade woanders sind austauschen kann, ist das doch wunderbar. Es entsteht quasi ein Echtzeit-Publikumsgespräch unter den Anwesenden und potenzielles Publikum kann sich durch die Liveberichte einen Eindruck über das Stück verschaffen und bei Interesse eine der nächsten Vorstellungen besuchen.

Klar, Rücksicht ist ganz wichtig, weder sollen andere Zuschauer, noch Schauspieler durch Lichtsignale und Sounds aus dem Publikum irritiert oder gestört werden, also sollte es Plätze speziell für Smartphone- und Tabletnutzer geben.

Über das Liveerlebnis hinaus sehe ich gerade für kleine und / oder freie Theater in Social Media viele Chancen und Möglichkeiten. Aufwändige Programmhefte und Theatermagazine zu produzieren fällt aufgrund schmaler Budgets weg was in der Vergangenheit hieß, der Zuschauer bekommt kaum Hintergrundinformationen zum Stück. Das ist jetzt anders. Man kann Texte zum Stück online stellen, Videointerviews oder „Ask the director“ – Fragestunden auf Facebook oder Twitter mit dem Regisseur anbieten, Twitterer, Blogger und Livekritiker zu Proben einladen und vieles mehr.

Bis die Theaterlandschaft da ist, wo jetzt schon viele Museen sind, wird es sicher noch etwas dauern. Social Media ist auch kein Garant für schnellen Erfolg. Bis Nutzerzahlen über die Wahrnehmnungsgrenze steigen und Feedback von den Nutzern kommt, muss man Geduld haben. Aber meiner Ansicht und Erfahrung nach lohnt es sich in jedem Fall, diesen Weg zu gehen. Ich kann mir gut vorstellen bald auch bei uns ein Tweetup zu versuchen.

Ulrike Dümpelmann

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