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2. Bonner Klezmertage

Ein Ausblick auf das Programm vom Samstag

Mein Vater schickte mir Mitte der 90er Jahre eine Kassette. “Du interessierst Dich doch für Klezmermusik, ich hab da was im Radio für Dich aufgenommen.” Damals tastete ich mich am Rand der deutschen Klezmerszene entlang und arbeitete mich an Giora Feidman ab – als ich dieses Band hörte, war ich elektrisiert wie seit langem nicht mehr. Das war die Liveaufnahme einer Band vom Bonner Sommer (!), die zwischen akustischen und elektrischen Sounds hin- und hersprang, zwischen rockigen Grooves, jazzigen Soli und zupackendem Klezmertanzbeat spielerisch und wie selbstverständlich hin- und herwechselte und wirklich alles davon zu beherrschen schien. 20 Jahre später sind sie wieder in Bonn – die Klezmatics, die wie kaum eine andere Band für modernen Klezmer stehen.

Der Samstag nun ganz im Zeichen dieser Entwicklung Klezmer – wer einen historischen bis aktuellen Überblick über das, was man modernen Klezmer nennt erhalten will, ist im Vortrag um 16 Uhr gut aufgehoben.

Mit modernem Klezmer bezeichnet man die Entwicklung der Klezmermusik, nachdem sie mit ihren Protagonisten in die USA ausgewandert war. Die dortigen Lebensumstände und musikalischen Einflüsse änderten die Musik massiv. Das sogenannte Revival in den 70er Jahren schließlich brachte bis heute eine vielfältige Musik hervor, die mit anderen Stilen mehr oder weniger gekonnt fusioniert. Klezmer ist auf spannenden Wegen heute von einer hochspezialisierten Fest- und Ritualmusik einer religiösen Gemeinschaft  zu einer Konzertmusik für jeden geworden, die von ihren Ursprüngen oft weit entfernt ist. Der Vortrag versucht mit vielen Tonbeispielen diesen Weg nachzuvollziehen.

Dermaßen vorbereitet ist man dann wohl gewappnet für einen Hauptact dieses Festival: Die Band, die seit 25 Jahren den Spagat zwischen Klezmer und Fusion auf höchstem Niveau meistert, sind die Klezmatics aus New York. Vielleicht sind sie die einzigen Weltstars der Klerzmermusik – auf jeden Fall die einzigen mit Vitrinenschrank, denn der  2007 gewonnene Grammy muss ja irgendwo hin.

Sie verbinden die Roots des Klezmer, seine Grooves, Verzierungen und seine besondere Kraft mit modernen Rock-, Jazz- und Soulklängen und allem, was sie sonst noch auf ihren individuellen musikalischen Werdegängen inhaliert haben.

Ihr Jubiläum zelebrieren sie mit einer Welttournee, die sie zwischen Helsinki und Wien auch in Bonn halten lässt. Die gänsehauterregende Stimme Lorin Sklambergs, die souligen Trompetenklänge von Frank London und die zupackende Klezmerfidl von Lisa Gutkin erheben sich über raffinierten Arrangements und Stilwechseln, die nie als Bruch empfunden werden, sondern die Zuhörer immer weitertragen.

Nicht nur eine seltene Gelegenheit, sondern ein Muss für jeden Klezmerfan!

Ein Gastbeitrag von Georg Brinkmann

Tickets für alle Veranstaltungen sind bei Klezmer Bonn gegen Vorauskasse bestellbar und im Vorverkauf montags – freitags zwischen 16 und 19 Uhr im Foyer der Brotfabrik zu bekommen, ein beschränktes Kontingent an Restkarten ist unter mail@brotfabrik-theater.de und 0228 / 42131-0 reservierbar.

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