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2. Bonner Klezmertage

Und was passiert so im Programm? –
Dann schauen wir uns doch mal den Freitag an

da haben wir natürlich die Eröffnung, der OB spricht als Schirmherr warme Worte, jemand vom Verein wird sprechen (btw – die Bonner Klezmertage werden vom Verein “Klezmer Bonn” organisiert) und dann haben wir als Eröffnungsakt die Chöre der Bonner jüdischen Gemeinde.

Die haben letztes Mal die Herzen im Sturm erobert – Sim Shalom singt jiddische und israelische Lieder mit vorzüglicher Klavierbegleitung. Nach anfänglicher Nervösität haben sie sich letztes Jahr richtig freigesungen und mit viel “neshume”, mit Seele ihre Lieder gesungen. Seele hat auch der zweite Chor im Namen – “Russische Seele” – als sie mit ihren russischen Kostümen auf die Bühne kamen, blieb mir erst das Herz stehen, weil ich folkloristische Panikattacken bekämpfen musste, aber weit gefehlt – auch hier viel Liebe zum Lied und zur tänzerischen Präsentation – eigentlich waren diese Auftritte die Überraschung des Festivals.

Wichtig ist uns dabei auch, dass die jüdische Gemeinde Bonns, von der man sonst nicht so viel mitbekommt, beim Festival vertreten ist. Man muss immer aufpassen, weil gerade in Deutschland Klezmer mit Judentum und Judentum mit Klezmer identifiziert wird, was ähnlichen Charakter haben kann wie das bayrische Wirtshaus in Sydney als Vertreter des Deutschtums anzusehen. Dennoch bin ich sehr froh, dass ein Festival jiddischer Kultur in Bonn nicht ganz an der Gemeinde vorbeiläuft. Und ein Bereicherung sind diese Chöre ohnehin!

Stilwechsel – danach ist die Bühne frei für Michael Winograd und seine Band. Damit wird nun auch unwiderruflich klar, dass sich dieses Festival modernen Klängen in der Klezmerszene widmet. Das modernste kann man natürlich in New York finden – dort gibt es überhaupt ein reiche jüdische Szene, eine reiche Musikszene und eine explosiv-innovative Mischung aus beidem. Michael Winograd ist einer der herausragendsten Vertreter. Er ist als Klarinettist, Komponist und Arrangeur grenzenbrechend wie stilsicher unterwegs. Die Schwierigkeit beim sogenannten modernen Klezmer, vor allzuviel Fusion, Experiment und Neuklängen die ursprüngliche Kraft des Klezmer zu verlieren, meistert er.

Seine rockigen Projekte beispielsweise sind einzigartig, weil man durch die Rockstilistik und die Wildheit, die eben nur die Rockmusik bieten kann, eine speziell jüdisch-musikalische Seite durchhört. In seinen Produktionen und Arrangements beispielweise für die große, leider letztes Jahr verstorbene Adrienne Cooper, kommt noch eine sehr sinnlich-bildhafte Klangsprache dazu.

In Bonn hören wir nun sein Trio, das ohne Beliebigkeit zwischen Klezmer und Jazz changiert. Etwas spezifisch amerikanisch-klezmerisches scheint auch zu sein, dass die führenden “modernen” Klezmorim der amerikanischen Szene in beiden Bereichen ausgebildet und einfach sehr gut sind. Es gibt eine Menge Fusionbands in Deutschland und Europa (in Amerika natürlich auch), bei denen man froh sein kann, wenn sie wenigstens einen der Stile, die sie zu mischen vorgeben, auch beherrschen. Speziell in New York gibt es aber ein jüdische Musikszene, die Musiker dort spielen also heute im Jazzclub, morgen auf einer traditionellen Hochzeit und übermorgen auf einem chassidischen Fest (und nehmen vielleicht noch zwischendrin eine CD mit einem Salsaspieler auf…). Kurz gesagt – die wissen’s!

In Bonn kann man Michael’s Trio von allen Seiten erfahren – nach dem Konzert mit ihrem Programm spielen sie noch traditionell (mehr oder weniger, auf jeden Fall aber tanzbar). Diese Granden sind schon etwas aufregend für den Tanzmeister!

Ein Gastbeitrag von Georg Brinkmann

Tickets für alle Veranstaltungen sind online direkt über die Festivalseite bestellbar und im Vorverkauf montags – freitags zwischen 16 und 19 Uhr im Foyer der Brotfabrik zu bekommen.

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