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Vorfreude auf die 2. Bonner Klezmertage

Bald wird die Brotfabrik wieder ein Ort der jiddischen Kultur! Zum zweiten Mal nach dem großen Erfolg 2011 öffnet das Bonner Kulturzentrum seine Tore der beliebten, gefühlvollen, ekstatischen, tanzbaren wie nachdenklichen Musik des jüdischen Osteuropa.

Zurück geht das Ganze auf eine Idee von Ute Gerst, die über das Management der Gruppe “nu” der Klezmermusik immer näher kam. Als Musiker dieser Band kam ich zwangsläufig viel rum und war natürlich auch auf vielen Festivals – da wurde sie genauso zwangsläufig ein bisschen neidisch, bis die Idee geboren war, die sich kurz auf den Nenner bringen läßt – wenn es schwierig ist, auf die Festivals zu fahren, dann müssen wir eben ein Festival in Bonn machen und all die Bands hierher holen.

Es war aber auch an der Zeit – die vielen Veranstaltungen wie Konzerte, die rheinische Klezmernacht, Vorträge, das Kinderprogramm und Besuche in Schulklassen, vor allem die Tanzworkshops und Tanzbälle mit jiddischem Tanz zeigten ein wachsendes Interesse. Da hielten wir ein größeres Festival für die passende Antwort. Und das war es – die Konzerte ausverkauft, eine unbeschreibliche Stimmung, die sich auch durch die “kleinen” Veranstaltungen am Rand zog.

Der Chor der jüdischen Gemeinde begeisterte gleich zu Beginn durch seinen Charme und großen Enthusiasmus, bevor das Frauen Duo Wajlu aus Bonn und Freiburg und die groovige Klezmer Alliance aus Köln, London und Kishinev abrockten.

Gruppen aus der Region waren ein Schwerpunkt dieses ersten Festivals – neben dem Queen Esther Trio aus Köln, Hamburg und Riga führte Meisterklarinettistin Annette Maye aus Köln mit ihrem Duo “Doyna” in anspruchsvolle Jazzgefilde zeitgenössischer Klezmermusik. Interessant auch, dass in diesem sogenannten regionalen Teil des Festivals überwiegend Frauen musikalisch federführend waren – in der Klezmerszene keine Selbstverständlichkeit!

Nachdem die Klezgoyim auf ihrem Konzert mit ihrem gewagten Mix aus Klezmer, türkischer Musik, Balkan und Eigenkomposition begeisterten, begleiteten sie den Tanzball, der natürlich nicht fehlen durfte – schließlich ist Klezmermusik ja Tanzmusik vom Feinsten.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Chassidismus, jene spirituell-ekstatische Strömung, die ab dem 18. Jahrhundert populär war und enorme musikalische Einflüsse hatte.

In den Sog ihrer Sagen- und Märchenwelt führte Gidon Horowitz unnachahmlich ein, bevor die Grande Dame des jiddischen Liedes Shura Lipovsky in einem Nigunworkshop dieses Repertoire zum Mitsingen und Mitspüren vorstellte. Wer hier teilnahm hatte das Gefühl, tief in das musikalische Herz des Ostjudentums zu schnuppern zu dürfen – wie viel mehr noch begeisterte sie am Abend in ihrem Konzert, das den Abschluss und Höhepunkt des Festivals bildete.

Hiernach war die Frage nach einer Fortsetzung rhetorisch – die durchweg gute Stimmung, ja Begeisterung, die große Offenheit aller Beteiligten und die mitreißende Musik in solcher Vielgestaltigkeit hatten für uns als Veranstalter einen Suchtcharakter, der die nötige Arbeit schnell vergessen ließ.

Nachdem es im Frühjahr als Überbrücker der langen Festivalpause ein Doppelkonzert der Berliner Gruppen “Shikker wi Lot” und “!Schmaltz!” gab, wird am 6. Oktober die Brass-Sensation aus der Ukraine einheizen – Konsonans Retro mit Klezmersuperstar Christian Dawid geben sich die Ehre, um die Bonner Klezmerfans schon zwei Wochen vor dem eigentlichen Start der Bonner Klezmertage mit ihren authentischen Grooves zu verwöhnen.

Und was kommt dann?
Dazu mehr im nächsten Blogartikel!

Ein Gastbeitrag von Georg Brinkmann

 

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